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Die Welt in Hannover


  1. Wann und wo sind Sie geboren?
    Geboren wurde ich am 28. Mai 1979 in Lissabon, Portugal.
     
    Welche Staatsangehörigkeit haben Sie?
    Ich habe die portugiesische Staatsangehörigkeit.
     
    Seit wann leben Sie in Hannover?
    Seit Oktober 2010.
     
    Warum sind Sie nach Hannover gekommen?
    Ich bin wegen meiner Arbeit nach Hannover gekommen. Bis Herbst 2010 habe ich in Brüssel für ein Unternehmen gearbeitet, das auch einen Standort in Hannover-Stöcken hat. Nach insgesamt fünf Jahren in Brüssel wollte ich woanders hin. Zur Auswahl standen Deutschland, Brasilien und Mexiko. Brasilien und Mexiko waren mir zu weit entfernt, deshalb habe ich mich für Deutschland entschieden.
    In Deutschland war ich vorher schon ein paar Mal auf Geschäftsreise. Währenddessen habe ich auch einige Wörter Deutsch gelernt: „ach so“, „genau“, „echt“ und „na“. Sehr nützlich, denn mit diesen vier Wörtern kann man an einer Konversation teilnehmen ohne ein weiteres Wort Deutsch zu verstehen. Allerdings nur solange man selber nicht aktiv erzählen muss. Ich habe das auf einer Geschäftsreise in München ausprobiert. Und ich war tatsächlich so überzeugend, dass meine Kollegen gedacht haben, ich könne Deutsch sprechen. Mittlerweile kann ich das auch, damals in München aber bestand mein deutscher Wortschatz aus besagten vier Wörtern.

    Was ist für Sie typisch hannoveranisch?
    Ich kann nicht unbedingt zwischen hannoveranischen und deutschen Gepflogenheiten differenzieren. Ich habe eine gewisse Zeit in München verbracht und sehe durchaus die kulturellen Unterschiede zwischen Süd- und Norddeutschen. Ich kann aber nicht sagen, was davon typisch für Hannover ist.

    Und was empfinden Sie als typisch deutsch?
    Bratwurst und Currywurst – eigentlich Wurst in jeder Form. Wie sehr die Deutschen ihre Wurst lieben, habe ich bemerkt, nachdem ich im Frühjahr in Hannover einen Halbmarathon gelaufen bin. In Belgien bekam ich nach dem Lauf Saft und Kekse, in Portugal bekam ich Obst und Eis. In Hannover hingegen, gab es für die Läufer Bier und Wurst. Seitdem gehe ich mit meinen Freunden nach dem Laufen öfter eine Bratwurst essen – es scheint ja eine deutsche Gepflogenheit zu sein.
    Typisch deutsch sind auch Pünktlichkeit und Planerei. In diesen beiden Punkten bin ich selber schon ein bisschen deutsch geworden, sagt zumindest meine Mutter. Als ich sie in Portugal besucht habe, war sie erstaunt, wie akkurat ich mittlerweile auch meine Freizeit durchplane.

    Haben Sie einen Lieblingsort in Hannover?
    Der Ort wo ich die meiste Zeit verbring ist die Eilenriede. Ich lebe in der Nähe und gehe dort oft spazieren. Besonders jetzt mit den herbstlich bunten Blättern ist es in der Eilenriede sehr schön. Ein anderer Ort an dem ich mich gerne aufhalte ist die Markthalle in der Innenstadt.

    Was vermissen Sie aus Ihrem Geburtsland?
    Die portugiesische Küche fehlt mir sehr, besonders die unzähligen Arten der Fischzubereitung. Ebenso fehlt mir das Obst und Gemüse, das es in Portugal gibt. Es schmeckt viel aromatischer und intensiver, als das Gemüse, das ich in Deutschland bekomme.
    Ich vermisse zudem die Art, wie wir Portugiesen Kaffee trinken. Es ist nicht unbedingt der Kaffee an sich, den ich vermisse, viel mehr das ganze Ritual darum herum: sich mit Freunden treffen und die kleinen Kekse und Kuchen die es zum Kaffee gibt.
    Neben dem Essen und dem Kaffee-Ritual fehlt mir auch die Musik aus meiner Heimat. 

    Wenn Sie den Begriff Heimat hören, woran denken Sie?
    Als ich sieben Jahre alt war hat meine Familie für die Wochenenden ein Strandhaus bei Lissabon gekauft. An dieses Wochenendhaus denke ich, wenn ich an Heimat denke. Meine Familie ist innerhalb Lissabons oft umgezogen, aber das Strandhaus war und ist nach wie vor ein Ort, an den wir uns zurückziehen konnten und die Familie zusammen gekommen ist. Es sind so viele Kindheitserinnerungen mit diesem Ort verbunden. Wenn mich jemand fragen würde, an welchen Ort ich gehen wollte, wenn ich nur noch kurz zu leben hätte – es wäre das Strandhaus. Hannover hingegen ist für mich mein momentaner Lebensmittelpunkt und ich mag die Stadt. Ich würde sie aber nicht als meine Heimat bezeichnen.

     

  2. Wann und wo sind Sie geboren?
    Ich bin am 24. Oktober 1979 in Mexiko-City geboren.

    Welche Staatsangehörigkeit haben Sie?
    Die mexikanische Staatsangehörigkeit.

    Seit wann leben Sie in Hannover?
    Seit 2010.

    Warum sind Sie nach Hannover gekommen?
    Bevor ich wegen dem Job 2010 nach Hannover gezogen bin, habe ich mehrere Jahre in Stuttgart gelebt. Im September 2004 habe ich in Deutschland Urlaub gemacht und mich in Stuttgart in einen deutschen Mann – meinen jetzigen Partner – verliebt. Deshalb bin ich im März 2005 nach Stuttgart zurückgekehrt. Ein wichtiger Grund für meine Rückkehr war sicherlich die Liebe, ich wollte aber auch Deutsch lernen. Die deutsche Sprache – vor allem ihr harter Klang – fasziniert mich. Ich höre viel deutschsprachige Musik aus dem Gothic Bereich. Deshalb hatte ich schon länger eine Affinität zu Deutschland.
    In Stuttgart habe ich dann einen Sprachkurs besucht und im Anschluss daran an der Stuttgarter Hochschule der Medien Packaging, Design & Marketing studiert. Nach meinem Studienabschluss habe ich 2010 einen Job in Hameln gefunden. Zusammen mit meinem Freund bin ich deshalb nach Hannover gezogen. Ich pendle zwischen Hameln, wo ich arbeite und Hannover, wo ich lebe. Verglichen mit mexikanischen Maßstäben ist zwar auch Hannover eine Kleinstadt, allerdings nicht so klitzeklein wie Hameln. Ich komme aus Mexiko-City und kann mir nicht vorstellen in einer Kleinstadt zu wohnen. Aus diesem Grund habe ich mich entschlossen zwischen Hameln und Hannover zu pendeln.

    Was ist für Sie typisch hannoveranisch?
    Rein visuell sind für mich die Nanas am Leibnizufer und das Neue Rathaus typisch für Hannover. Man sieht sie auf jeder Postkarte. Typisch ist auch der schlechte Ruf der Stadt. Als ich in Stuttgart erzählt habe, dass ich nach Hannover ziehe, habe ich viel Negatives über die Stadt gehört. Dabei fühle ich mich in Hannover viel wohler als in Stuttgart. Interessanterweise empfinde ich die Hannoveraner so, wie sich sonst eigentlich die Süddeutschen darstellen: warmherzig, kontaktfreudig und aufgeschlossen.

    Und was empfinden Sie als typisch deutsch?
    Bier, Brot, Regen, Pünktlichkeit, Verbindlichkeit, Regeln. Die generelle Pünktlichkeit der Deutschen schätze ich sehr. Was ich nicht so gerne mag, ist die zurückhaltende Art vieler Deutscher. Wenn Etwas gut ist, dann wird es nicht unbedingt positiv hervorgehoben. Wird Etwas als „okay“ bezeichnet, dann kann es schlecht, mittelmäßig oder gut sein. Ich muss dann gucken, dass ich das „okay“ richtig interpretiere. In Mexiko merkt man den Menschen in der Regel an, ob sie etwas für gut befinden oder nicht. Das ist wohl auf das impulsive mexikanische Temperament zurückzuführen.
     
    Haben Sie einen Lieblingsort in Hannover?
    Ich mag die Lister Meile mit ihren vielen kleinen Läden. Da findet man Sachen, die es woanders nicht gibt. Außerdem bin ich gerne in Linden.
     
    Was vermissen Sie aus Ihrem Geburtsland?
    Das Essen! Ich habe mich mittlerweile an das deutsche Essen gewöhnt, aber das mexikanische vermisse ich doch stark. Zum Beispiel Chips: In Mexiko gibt es unzählig Geschmacksrichtungen. Die gibt es in Deutschland zwar auch, sie schmecken aber alle nach dem gleichen Zwiebel- oder Paprikagewürzpulver. Im deutschen Winter fehlt mir zudem die mexikanische Sonne. Meine Freunde und Familie in Mexiko-City vermisse ich auch. Ich würde sie gerne öfter besuchen. Der Flug ist aber sehr teuer.

    Wenn Sie den Begriff Heimat hören, woran denken Sie?
    Heimat setzt sich für mich aus vielen verschiedenen Aspekten zusammen: Ich denke an die Familie, das Essen, die Farben und die mexikanischen Traditionen. Tradition ist mir sehr wichtig, denn sie prägt meine Heimat. Ein in ganz Mexiko verbreiteter Brauch ist der Día de los Muertos, der Tag der Toten, der in Mexiko Anfang November gefeiert wird. Wir glauben daran, dass die Seelen der Verstorbenen aus dem Jenseits zu Besuch ins Diesseits kommen und bauen deshalb Altare für die Toten. Auf einem Altar befinden sich die Lieblingsspeisen der Verstorbenen, Kerzen, Getränke, Totenköpfe aus Zuckerguss – die calaveras de dulce, Blumen und andere Dinge, die man mit dem Verstorbenen verbindet. So einen Altar baue ich jedes Jahr auch bei mir zu hause auf. Für mich ist das ein kleines Stück Mexiko und ein Symbol für meine Heimat.
    Mit meiner Heimat Mexiko verbinde ich zudem viele bunte und leuchtende Farben: farbenfrohe Fahnen, die bunten Fassaden der Häuser und die abwechselungsreiche Landschaft.

     

  3. Wann und wo sind Sie geboren?
    Am 15. April 1983, in der spanischen Stadt Pamplona.

    Welche Staatsangehörigkeit haben Sie?
    Ich habe die spanische Staatsangehörigkeit.

    Seit wann leben Sie in Hannover?
    Seit dem 15. Juli 2012.

    Warum sind Sie nach Hannover gekommen?
    Ich habe in Hannover, genauer gesagt in Langenhagen, einen Arbeitsplatz gefunden. Deshalb bin ich hierher gezogen. Nachdem ich im November 2011 an der Universität Barcelona meinen Master in Architektur abgeschlossen hatte, habe ich nach einer Anstellung gesucht. In Spanien habe ich keinen Job als Architektin gefunden, also habe ich mich international beworben. Ich wäre auch in ein anderes Land als Deutschland gegangen. Viele meiner Freunde arbeiten im Ausland. In Spanien ist es wegen der schlechten Konjunkturlage momentan fast unmöglich eine qualifizierte Arbeit zu finden.
    Hannover kannte ich schon bevor ich mich hier beworben habe. Vor 13 Jahren war ich für einige Wochen in der Stadt um Deutsch zu lernen. Dass ich Jahre später in Hannover arbeiten würde, daran habe ich damals allerdings nicht gedacht.
     
    Was ist für Sie typisch hannoveranisch?
    Das Getränk Lüttje Lage. Ich habe es in diesem Jahr zum ersten Mal auf dem Maschseefest getrunken.

    Und was empfinden Sie als typisch deutsch?
    Deutsche können sehr zurückhaltend und reserviert sein, was sich auch auf das öffentliche Leben auswirkt. In Spanien spielt sich viel davon auf offener Straße ab. Auch im Winter, wenn es kalt ist und früh dunkel wird. In Deutschland jedoch ist - vor allem jetzt im Winter - nach 17 Uhr kein Leben mehr auf der Straße.
    Vielleicht liegt das aber gar nicht an der deutschen Zurückhaltung, sondern an einer anderen typischen Eigenschaft? Charakteristisch für Deutsche ist nämlich auch das frühe Abendessen um 18 Uhr. Dass man hier so früh zu Abend isst finde ich allerdings sehr gut. In Spanien essen wir spät, meist nicht vor 22 Uhr.

    Haben Sie einen Lieblingsort in Hannover?
    Obwohl sie eher klein ist, mag ich die hannoveranische Altstadt. Ich gehe regelmäßig Joggen, dafür ist der Maschsee perfekt.

    Was vermissen Sie aus Ihrem Geburtsland?

    Ich vermisse die Energie der Spanier. Ich kann mich an deutsches Essen gewöhnen, ich kann mich an norddeutsches Wetter gewöhnen, aber mir fehlt das energetische Temperament meiner Landsleute. Durch die spanische Lebhaftigkeit ist es einfach mit Leuten in Kontakt zu kommen. In Deutschland ist das schwieriger. Ein Beispiel: Ich fahre jetzt seit vier Monaten jeden Morgen mit dem Bus zur Arbeit. In dem Bus sitzen fast immer die gleichen Leute. Ich habe noch mit niemandem davon gesprochen, wir grüßen uns auch nicht. In Spanien undenkbar: Ich bin mir sicher, dass ich dort mit den anderen Passagieren längst bekannt wäre und wir uns während der Fahrt unterhalten würden. Es kann natürlich auch an mir liegen, dass ich mit meinen Mitfahrern noch nicht bekannt bin. Allgemein aber ist es in Spanien viel einfacher mit Leuten in Kontakt zu kommen. Diese Leichtigkeit vermisse ich schon sehr.
     
    Wenn Sie den Begriff Heimat hören, woran denken Sie?
    Ich denke an meine Freunde und meine Familie. Ich vermisse Pamplona und Spanien nicht so stark, aber mir fehlen die Menschen. Heimat ist für mich durch die Familie und die Freunde geprägt. Heimat ist aber auch immer mit einem bestimmten Ort verbunden. Für mich ist dieser Ort Pamplona. Und zwar Pamplona zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt – dem 6. Juli eines jeden Jahres. Das ist der Beginn der alljährlichen Sanfermines. Meine Familie und meine Freunde kommen zusammen und feiern. Dieser Anlass ist für mich der Inbegriff von Heimat: Familie und Freunde feiern zusammen an dem Ort, wo sie ihre gemeinsamen Wurzeln haben.
    Wie wichtig mir dieses Ereignis ist, dass habe ich in diesem Jahr gemerkt. Weil ich in Hannover war, konnte ich das erste Mal seit langem nicht an der Chupinazo, dem Beginn der Sanfermines, teilnehmen. Um wenigstens in Gedanken bei der Chupinazo dabei zu sein, habe ich mir am Computer die Liveübertragung angeschaut. Ich war in dem Moment wirklich traurig, was mich selber ein wenig gewundert hat. Vordergründig geht es ja nur um ein Fest. Mit dem Tag ist aber so viel mehr verbunden, dass es für mich wirklich bedauerlich war, ihn nicht in Pamplona zu verbringen.

     

  4. Wann und wo sind Sie geboren?
    Am 6. Oktober 1980 in Plewen, Bulgarien.
     
    Welche Staatsangehörigkeit haben Sie?
    Ich habe einen bulgarischen Pass, betrachte mich jedoch als Europäerin.

    Seit wann leben Sie in Hannover?
    Seit dem Jahr 2000.

    Warum sind Sie damals nach Hannover gekommen?
    Nachdem ich in Bulgarien mein Abitur gemacht hatte, wurde mir angeboten, drei Monate auf der Expo 2000 in Hannover zu arbeiten. Ich konnte zu dem Zeitpunkt schon ganz gut Deutsch sprechen und habe das Angebot angenommen. Ich wollte eine begrenzte Zeit in Hannover arbeiten, mit dem so verdienten Geld zurück nach Bulgarien und dort ein Schauspielstudium beginnen. Als ich nach den drei Monaten wieder in Bulgarien war, merkte ich jedoch, dass mich die Arbeit auf der Expo verändert hatte. Ich hatte jeden einzelnen Tag so viele neue Erfahrungen gemacht und so viele Menschen aus allen Ländern der Welt kennen gelernt, dass ich nicht in Bulgarien bleiben, sondern wieder nach Hannover zurück wollte.
    Ich beschloss, dauerhaft nach Hannover zu ziehen und habe angefangen an der Fachhochschule Kommunikationsdesign zu studieren. Erst während des Studiums habe ich das richtige Hannover kennen gelernt - während der Expo hatte sich die Stadt ja im Ausnahmezustand befunden. Mittlerweile lebe ich seit zwölf Jahren in Hannover, kenne die vielen verschiedenen Facetten der Stadt und denke, dass ich hier bleiben, hier leben und hier arbeiten werde. Hannover ist zu meiner zweiten Heimat geworden. 

    Was ist für Sie typisch hannoveranisch?
    Als ich im Alter von 19 Jahren nach Hannover gekommen bin, wusste ich nichts über die Stadt und die regionalen Unterschiede in Deutschland. Für mich war Deutschland ein großer, homogener Staat in der Mitte Europas. Als dann klar war, dass ich längere Zeit in Hannover bleiben würde, habe ich mich regelrecht auf die Suche nach hannoveranischen Kuriosa gemacht. Ich bin auf den Spuren des Serienmörders Fritz Haarmann und des Computer-Hackers Karl Koch durch die Stadt gewandelt, habe mir auf der Straße die Lebensgeschichten von alten Frauen angehört und wurde vielfach mit den gängigen Vorurteilen über die Stadt konfrontiert: Hannover sei grau und kalt, die Menschen unnahbar und das einzig positive an der Stadt die gute Verkehrslage.
    Aber ich finde, dass das nicht stimmt. Für Außenstehende hat Hannover vielleicht nicht so eine Strahlkraft, wie die großen deutschen Metropolen Hamburg, Berlin oder München. Für Diejenigen, die in Hannover leben und arbeiten bietet die Stadt jedoch allerlei Möglichkeiten sich einzubringen und die Stadt mit zu gestalten. Hannover ist für mich eine Stadt in der Pubertät, der – genau wie einem Teenanger – noch alle Entwicklungsmöglichkeiten offen stehen. Man kann sich hier nicht ins gemachte Nest setzen, sondern muss selber Energie aufbringen, um die Strukturen zu schaffen, in denen man sich bewegen möchte. Das mag manche Menschen abschrecken, für mich ist das jedoch sehr spannend und ein typisches Merkmal von Hannover.

    Und was empfinden Sie als typisch deutsch?
    Ich komme aus Südosteuropa. Dort wird sehr viel lockerer kommuniziert als in Deutschland. Deutsche sind im Alltag zu oft verklemmt und unnatürlich, so als ob sie Angst hätten, sich zu öffnen und zu zeigen, wer sie sind. Typisch deutsche Eigenschaften sind außerdem Hartnäckigkeit und Dickköpfigkeit – vor allem bei Männern. Flexibilität ist den typischen Deutschen deshalb auch eher fremd.
     
    Haben Sie einen Lieblingsort in Hannover?
    Der Stadtteil Linden.
     
    Was vermissen Sie aus Ihrem Geburtsland?
    Materielle Dinge aus Bulgarien vermisse ich nicht. Wenn ich etwas Bestimmtes von dort haben will, dann kann ich es mir online bestellen und habe es ein paar Tage später bei mir zu hause. Manchmal sehe ich jedoch diffuse Bilder aus Bulgarien vor mir: Bilder von bestimmten Straßen, die in einem besonderen Licht erscheinen. Das ist für mich jedes Mal ein Zeichen, dass ich Heimweh habe und es an der Zeit ist mal wieder nach Bulgarien zu fliegen, was ich in der Regel auch zweimal pro Jahr mache.

    Wenn Sie den Begriff Heimat hören, woran denken Sie?
    Ich habe mich oft gefragt, wo genau eigentlich meine Heimat ist: in Bulgarien, wo meine Wurzeln liegen, oder in Deutschland, wo ich zwar lebe, aber nicht richtig verwurzelt bin? Ein Freund von mir hat einmal gesagt: „Heimat ist dort, wo dein Herz ist.“ Das sehe ich ähnlich. Heimat ist für mich nicht an einen singulären Ort gebunden.
    Ich differenziere zusätzlich zwischen den Begriffen Heimat und Zuhause. Dein Zuhause ist ein Teil deiner Heimat. Da wo du bist und dich wohlfühlst, den Ort kannst du dein Zuhause nennen. Irgendwann kann dieses Zuhause zur Heimat werden. Denn Heimat setzt sich aus verschiedenen Komponenten zusammen: Herkunft und Familie, Zeit und Kontinuität. Der Heimatbegriff ist keine statische Idee, sondern ein dynamischer Prozess, der zu unterschiedlichen Zeitpunkten eben auch unterschiedlich aussieht. Meine Heimat trage ich in mir und ich kann sie dort platzieren, wo immer ich mich heimisch fühle. So entsteht ein Heim, das sukzessive zu einem Stückchen Heimat werden kann - sei es in Bulgarien, in Deutschland oder ganz woanders.

     

  5. Wann und wo sind Sie geboren?
    Am 7. Juli 1985 in Shenzen, China.
     
    Welche Staatsangehörigkeit haben Sie?
    Noch habe ich die chinesische, ich möchte aber die deutsche Staatsangehörigkeit annehmen. Das ist möglich für Ausländer, die seit acht Jahren in Deutschland leben. Für mich verkürzt sich diese Zeit sogar auf sechs Jahre, da ich mich ehrenamtlich engagiert habe. Im Januar 2013 ist es soweit – dann werde ich Deutscher. Deutscher werden will ich vor allem aus praktischen Gründen: ich will in Deutschland arbeiten und mit dem deutschen Pass lässt es sich einfacher Reisen, als mit dem chinesischen.
     
    Seit wann leben Sie in Hannover?
    Ich bin im September 2005 aus China direkt nach Hannover gekommen. Seitdem lebe ich hier, wenn auch mit einigen studienbedingten Unterbrechungen. Zwischendurch war ich in den USA, in Israel und in Italien, bin aber immer nach Hannover zurück gekehrt.

    Warum sind Sie nach Hannover gekommen?
    Eigentlich wollte ich nur für ein Jahr in Hannover bleiben, um beim Studienkolleg meine Hochschulreife zu erlangen. Dann aber habe ich in Hannover angefangen Biowissenschaften zu studieren. Ich werde auch mindestens noch zwei bis drei weitere Jahre in Hannover bleiben, da ich im Januar 2013 meine Promotion an der Leibniz Universität beginne.
    Schon als Kind war ich an Deutschland interessiert. Damals war Deutschland für mich ein Land voller Fachwerkhäuser. Als Teenanger habe ich dann angefangen Deutsch zu lernen und mich genauer mit dem Land zu beschäftigen. Dass ich zum studieren nach Deutschland gekommen bin, war eine sehr bewusste Entscheidung, die ich länger geplant habe.

    Was ist für Sie typisch hannoveranisch?
    Das oftmals eher schlechte Wetter ist typisch für Hannover. Ich bin aus Südchina. In meiner Heimatstadt ist das Klima ganz anders als in Norddeutschland.
    Mit Hannover verbinde ich zudem Hochdeutsch. Ich finde es eigentlich schade, dass in Hannover kein Dialekt gesprochen wird. Es wäre doch sehr witzig, wenn ich als Chinese einen deutschen Dialekt beherrschen würde.
    Wenn ich an Hannover denke, dann denke ich an Hannoveraner – allerdings nicht an die Bürger der Stadt, sondern an die Pferderasse mit diesem Namen. Bevor ich nach Hannover gezogen bin, wusste ich nicht, dass der Begriff “Hannoveraner” gleichermaßen Pferde und Menschen bezeichnet.

    Und was empfinden Sie als typisch deutsch?
    Seitdem ich in Deutschland lebe, haben sich viele Vorurteile über Deutsche bestätigt und wurden gleichzeitig relativiert: Es gibt Deutsche, die pünktlich, korrekt, ordentlich und ein wenig streng sind. Es gibt aber genauso viele Deutsche, die das eben nicht sind. Ich finde es deshalb schwer zu sagen, was typisch deutsch ist. Im Vergleich zu anderen europäischen Völkern, wie den Italienern und Spaniern, ist es schwieriger mit Deutschen in Kontakt zu kommen. Wenn ich also unbedingt etwas Typisches benennen soll, so wäre es diese Eigenschaft. Aber wie schon gesagt, gilt auch das nicht für alle Deutschen.

    Haben Sie einen Lieblingsort in Hannover?
    Ich habe mehrere Lieblingsorte - einer davon ist der Georgengarten. Außerdem mag ich den Maschpark und den Maschsee, wo ich mich vor allem im Winter, wenn es geschneit hat, gerne aufhalte. In meiner Heimatstadt hat es nie geschneit. Schnee habe ich zum ersten Mal in der chinesischen Hauptstadt Beijing gesehen. Deshalb ist es für mich immer noch etwas Besonderes, wenn es schneit.

    Was vermissen Sie aus Ihrem Geburtsland?
    Ich vermisse Dim Sum und das Essen von meiner Mutter. Mein Lieblingsgericht ist Lotuswurzelsuppe. In Hannover fehlt mir manchmal auch die Großstadtathmosphäre, wie ich sie aus China kenne. Meine Heimatstadt Shenzen hat immerhin zwölf Millionen Einwohner.

    Wenn Sie den Begriff Heimat hören, woran denken Sie?
    Heimat ist für mich kein Ort, sondern ein Gefühl, mit dem ich mich identifizieren kann. Momentan würde ich sagen, dass meine Heimat dort ist, wo meine Eltern sind und ich meine Wurzeln habe – also Shenzen. Ich bin aber noch auf der Suche nach meiner eigenen Heimat, wo ich neue Wurzeln schlagen kann.

     

     

  6. Wann und wo sind Sie geboren?
    Am 16. Dezember 1980 in der litauischen Hauptstadt Vilnius.

    Welche Staatsangehörigkeit haben Sie?
    Ich habe die litauische Staatsangehörigkeit.

    Seit wann leben Sie in Hannover?
    Ich bin im April 2011 nach Hannover gekommen.

    Warum sind Sie nach Hannover gekommen?
    Bevor ich nach Hannover gezogen bin, habe ich für ein amerikanisches Unternehmen in Brüssel gearbeitet. Das Unternehmen hat eines seiner europäischen Headquarter in Hannover-Stöcken und mein Arbeitgeber hat mir dort eine Stelle angeboten. Die habe ich angenommen und so arbeite und lebe ich nun in Hannover. Davor hatte ich Hannover einmal auf Geschäftsreise besucht: Es war Winter, immer dunkel und die Stadt hat mir überhaupt nicht gefallen. Ich habe mir gesagt, dass ich nie nach Deutschland ziehen will. Jetzt bin ich aber doch hier gelandet. Mittlerweile habe ich mich gut eingelebt und fühle mich sogar wohler als in Brüssel. Hannover ist vielleicht nicht die aufregendste Stadt der Welt, aber es lässt sich gut hier leben.
    Wie lange ich in Hannover bleiben werde, kann ich nicht genau sagen. Vielleicht lebe ich in einem Jahr bereits wieder woanders. Ich würde allerdings gerne in Deutschland bleiben, denn ich lerne momentan auch Deutsch. Ein bisschen kann ich schon sprechen. Es ist allerdings bedeutend einfacher etwas auf Deutsch zu lesen oder zu verstehen, als selber zu sprechen. 

    Was ist für Sie typisch hannoveranisch?
    Hannover ist sehr grün. Ich kenne keine andere Stadt, die so viele Parks und Wälder hat. Das macht die Stadt sehr familienfreundlich. Wann immer ich in der Eilenriede oder am Maschsee spazieren gehe, sind dort viele Familien unterwegs.
    Typisch für das hannoveranische Stadtbild sind Fahrräder. Ich habe mir auch ein Fahrrad gekauft. Für mich etwas Besonderes, denn das letzte Mal, dass ich Fahrrad gefahren bin ist bestimmt 15 Jahre her.

    Und was empfinden Sie als typisch deutsch?
    Typisch für Deutsche ist für mich ein sehr formeller Umgang miteinander, wie beispielsweise das Siezen auf der Arbeit. In meinem Unternehmen kommunizieren wir auf Deutsch und Englisch. Die Kombination der beiden Sprachen mit dem “Sie” ergibt oft amüsante Momente: Während sich zwei Mitarbeiter auf Deutsch Siezen und mit dem Nachnamen ansprechen, kann es durchaus vorkommen, dass die gleichen zwei Mitarbeiter sich auf Englisch mit dem Vornamen ansprechen.
    Deutsche sind auch patriotisch. Wenn ich mit Deutschen über ihr Land spreche, dann merke ich, dass sie stolz darauf sind. Allgemein legt man in Deutschland viel Wert auf die deutsche Sprache: Wenn man kein Deutsch spricht, ist es schwierig mit Deutschen in Kontakt zu kommen.
    Den Deutschen ist außerdem ein gewisser Hang zur Pedanterie zu Eigen.

    Haben Sie einen Lieblingsort in Hannover?
    Ich mag die Innenstadt mit ihren vielen Geschäften. Ich mag auch den Maschsee und das neue Rathaus. Es ist für mich das Symbol für Hannover.
     
    Was vermissen Sie aus Ihrem Geburtsland?
    Ich habe eine Zwillingsschwester, die in Vilnius wohnt. Ich vermisse sie sehr, genauso wie meine Mutter. Ich versuche sie alle drei bis vier Monate zu besuchen, aber das ist natürlich nicht dasselbe, wie wenn man in der gleichen Stadt wohnt. Ansonsten fehlt mir nicht allzu viel. Die litauische Küche ist der deutschen ziemlich ähnlich, sehr schwer und gehaltvoll. Es gibt allerdings eine bestimmte Sorte Schokolade, die man nur in Litauen kaufen kann. Die kaufe ich immer wenn ich dort bin.
     
    Wenn Sie den Begriff Heimat hören, woran denken Sie?

    Heimat ist für mich der Ort, an dem ich mich sicher fühle. Bei meiner Familie fühle ich mich immer sicher. Aber auch in meiner Wohnung in Hannover fühle ich mich sicher und wohl. Deshalb würde ich momentan auch Hannover als meine Heimat bezeichnen.

     

     

  7. Wann und wo sind Sie geboren?
    Geboren bin ich am 17. Oktober 1983 in Ost-Berlin, Deutschland – damals noch DDR. Meine Mutter ist Deutsche, mein Vater Chilene. Als ich eineinhalb Jahre alt war, sind wir nach Santiago de Chile gezogen, wo ich bis 2008 gelebt habe. Ich betrachte mich daher als Chilenen.
     
    Welche Staatsangehörigkeit haben Sie?
    Die chilenische.
     
    Seit wann leben Sie in Hannover?
    Ich bin Anfang 2009 nach Hannover gezogen.

    Warum sind Sie nach Hannover gekommen?
    Wegen der Arbeit. Ich habe 2008 ein Jobangebot als Controller bei einem Bergbaukonzern in Kassel bekommen. Dort habe ich ein Jahr gearbeitet, bevor ich im Frühjahr 2009 nach Hannover versetzt wurde. Ich war schon mehrmals in Deutschland, da meine Großeltern in Schwerin gewohnt haben. Hannover kannte ich jedoch nicht bevor ich hierher gezogen bin.

    Was ist für Sie typisch hannoveranisch?
    Herrenhäuser Bier und Gilde Bier. Aber auch markante Orte wie das Rathaus, der Maschsee und die Nanas von Niki de Saint Phalle am Leibnizufer. Was für die Hannoveraner typisch ist, das kann ich nicht sagen, da ich keine Vergleichsmöglichkeit zu anderen Städten habe.

    Und was empfinden Sie als typisch deutsch?
    Pünktlichkeit ist für mich urdeutsch und eine Eigenschaft die ich schätze. In Chile geht man mit der Zeit viel flexibler um. Eine halbe Stunde Verspätung wird allgemein als nicht so gravierend empfunden.
    Sich zu Siezen ist ebenfalls sehr deutsch. Bei der Arbeit muss ich mir merken, wen ich Siezen und wen ich Duzen darf. Das kann manchmal ziemlich kompliziert sein. Die spanische Sprache unterscheidet zwar auch zwischen dem Du und dem Sie, allerdings Duzen sich die meisten Chilenen, wenn sie sich einmal einander vorgestellt haben.
    Typisch deutsch ist zudem ein spezieller Umgang mit Körperlichkeit und Berührung. Sei es bei der Begrüßung, bei der man sich oftmals nur zuwinkt oder auf den Tisch klopft – in Chile begrüßen sich alle mit Küsschen – oder wenn man auf der Strasse jemandem ausweicht. Beim Ausweichen versuchen die Menschen krampfhaft sich nicht zu berühren. Was aber wäre so schlimm daran? Für mich ein typisch deutsches Phänomen.
    Es gibt diverse weitere deutsche Eigenarten. Der Spieleabend ist eine davon: Wenn man sich zum Spieleabend verabredet, dann wird wirklich den ganzen Abend gespielt und nichts anderes gemacht. Eine spontane Änderung lässt die deutsche Leidenschaft fürs Planen eben nicht zu. Deutsche lieben es insgesamt ihre Freizeit durchzuplanen und wissen sehr lange im Voraus, was sie am Samstag in drei Wochen machen. In Chile rufe ich meine Freunde Freitagabends an und vor 22 Uhr weiß niemand, was er an dem Abend noch macht.

    Haben Sie einen Lieblingsort in Hannover?
    Ich bin gerne in Linden, an der Limmerstraße. Da ist es lebendig, viele meiner Freunde wohnen in der Nähe und es gibt viele Bars.

    Was vermissen Sie aus Ihrem Geburtsland?
    Meine Familie und meine Freunde, mit denen ich studiert habe. Allgemein vermisse ich mehr Spontaneität. In Chile kann ich einfach so bei Bekannten vorbeikommen, ohne vorher anzurufen oder den Besuch lange zu planen. 
    Wenn ich jetzt so darüber nachdenke, dann fehlt mir auch mehr Nähe im Umgang miteinander – sei es eine Umarmung, ein Begrüßungsküsschen oder ein Schulterklopfen.
    Ganz konkret vermisse ich meine Heimatstadt Santiago de Chile, den Strand, die Sonne und einen nicht ganz so kalten Winter.

    Wenn Sie den Begriff Heimat hören, woran denken Sie?

    Die Heimat verbinde ich mit Familie. Meine Familie trifft sich jeden Sonnabend und isst gemeinsam. Das sind dann 20 Personen, die um einen Tisch versammelt sind. Das ist für mich Heimat.

     

     

  8. Wann und wo sind Sie geboren?
    Am 13. Januar 1984 in JolietteQuébecKanada.
     
    Welche Staatsangehörigkeit haben Sie?
    Noch habe ich die kanadische Staatsangehörigkeit. Wenn es aber einmal einen autonomen Staat Québec geben wird - wovon ich ausgehe - dann nehme ich sofort die québecische Staatsangehörigkeit an.
     
    Seit wann leben Sie in Hannover?
    Seit dem 26. September 2012.

    Warum sind Sie nach Hannover gekommen?
    Das hat sich so ergeben. Ich habe eine Stelle als Fremdsprachenassistentin für Französisch an einer deutschen Schule gesucht. In Burgdorf war eine Stelle frei, die habe ich angenommen und jetzt unterrichte ich dort. Ich habe 2010 bereits für zehn Monate in Deutschland gelebt und zwar in Berlin. Während dieser Zeit habe ich Deutsch gelernt und es hat mir insgesamt so gut gefallen, dass ich zurück nach Deutschland kommen wollte.
    Als ich einem deutschen Freund erzählt habe, dass ich nach Hannover ziehe, hat er mir gesagt: „Nichts ist doofer als Hannover“. Ich finde die Stadt bisher aber ganz in Ordnung. Es gibt einige Museen und Theater, Hannover ist nicht so unübersichtlich wie Berlin und mit dem Fahrrad bin ich überall in 20 Minuten.

    Was ist für Sie typisch hannoveranisch?
    Für mich persönlich sind das die Nanas am Leibnizufer und auch die Grotte von Niki de Saint Phalle in den Herrenhäuser Gärten. Mit Hannover verbinde ich außerdem den Dadaisten Kurt Schwitters, mit dem ich mich im Studium beschäftigt habe. Im Sprengel Museum habe ich bereits die Nachbildung von Schwitters Merzbau angeschaut.

    Und was empfinden Sie als typisch deutsch?
    Da fällt mir spontan die Rücksichtnahme im Straßenverkehr ein. Die Menschen weichen einander aus und respektieren die anderen Verkehrsteilnehmer. Alles hat seine Ordnung, bei rot geht niemand über die Ampel - typisch deutsch, genauso wie die Fahrradwege.
    Es gibt auch eine spezielle deutsche Arbeitsmentalität, die ich im Theater kennen gelernt habe. Die Arbeitsabläufe sind alle durchdacht und strukturiert. Gleichzeitig gibt es genügend Zeit, um Ideen zu entwickeln. Ich denke, dass gilt auch für Bereiche außerhalb des Theaters. Den Charakter der Deutschen beschreibt für mich das Gedicht „Herzstück“ von Heiner Müller ziemlich gut.
     
    Haben Sie einen Lieblingsort in Hannover?
    Ich mag Linden, die Faust, das Strandleben, die Limmerstraße und den Georgengarten in der Nordstadt.
     
    Was vermissen Sie aus Ihrem Geburtsland?
    Meine Freunde, meine Schwester, meine Eltern. Ich bin ja noch nicht so lange weg von zu hause, deshalb vermisse ich noch nicht wirklich etwas. Was ich in Cafes als gewöhnungsbedürftig empfinde, ist die Tatsache, dass man zu seinem Kaffe kein Wasser dazu bekommt. Hier muss man immer Fragen und dann bekommt man nur ein winziges Gläschen mit Leitungswasser. 

    Wenn Sie den Begriff Heimat hören, woran denken Sie?
    Ich denke an Québec. Ich bin sehr patriotisch und stolz darauf aus Québec zu kommen.

     

  9. Wann und wo sind Sie geboren?
    Am 16. April 1991 in Houston, Texas, USA.
     
    Welche Staatsangehörigkeit haben Sie?
    Ich habe die us-amerikanische Staatsangehörigkeit.

    Seit wann leben Sie in Hannover?
    Seit dem 2. Oktober 2012.

    Warum sind Sie nach Hannover gekommen?
    Ich will in Deutschland studieren, am liebsten in der Stadt Dresden, die ich sehr mag. Dafür muss ich zunächst einen Sprachkurs machen und im Februar 2013 eine Prüfung ablegen. Erst dann kann ich anfangen zu studieren. Dass ich den Sprachkurs jetzt in Hannover absolviere hat sich eher zufällig ergeben: Ich habe über das Internet eine Familie aus Hannover kennen gelernt. Sie haben mir freundlicherweise angeboten, dass ich bei ihnen wohnen kann. Deshalb bin ich jetzt in Hannover.
    Ich kannte die Stadt aber auch schon vorher. Während meines Studiums in New York habe ich mich mit einer Austauschstudentin aus Hannover angefreundet, die ich 2009 auch in Hannover besucht habe. Ich wusste also ungefähr, worauf ich mich mit Hannover einlasse.
    Ein weiterer Grund nach Deutschland zu kommen, waren die Studiengebühren. Studieren in Deutschland ist im Vergleich zu Amerika so viel günstiger. Zudem mag ich Deutschland und deutsche Musik – meine Lieblingsband ist Polarkreis 18. Ich habe in New York Musikmanagement studiert. Deutschland ist weltweit einer der größten Musikmärkte. Das macht das Land für mich sehr interessant.
     
    Was ist für Sie typisch hannoveranisch?
    Das ist schwierig, denn ich bin ja noch nicht so lange in Hannover. Als ich 2009 in Deutschland war, habe ich verschiedene deutsche Städte besucht. Wenn ich Hannover jetzt mit Köln vergleiche, dann fällt mir als erstes der Unterschied in der Sprache auf. Die Kölner haben einen starken Dialekt, die Hannoveraner nicht. Außerdem sind die Hannoveraner oft ruhiger und etwas zurückhaltender. Ist das typisch für Hannover? Ich weiß es nicht.

    Und was empfinden Sie als typisch deutsch?
    Pünktlichkeit und Wissensdurst. Die Deutschen wollen wissen, was in der Welt passiert. Seitdem ich in Hannover bin, wurde ich oft nach dem Präsidentschaftswahlkampf zwischen Mitt Romney und Barack Obama gefragt. Ich finde das erstaunlich, denn US-Amerikaner, die sich für deutsche Politik interessieren gibt es meiner Meinung nach nicht so häufig.

    Haben Sie einen Lieblingsort in Hannover?
    Linden  da wohnen viele Studenten, das Viertel ist alternativ und die Atmosphäre ist angenehm. 

    Was vermissen Sie aus Ihrem Geburtsland?
    Ich vermisse meine Sprache. Ich muss jeden Tag Deutsch sprechen, was natürlich gut ist, um die Sprache zu lernen. Aber das ist auch sehr anstrengend und es ist schwierig sich differenziert auszudrücken und seine Gedanken zu beschreiben.
    Außerdem vermisse ich das Essen von meiner Mutter. Meine Familie kommt ursprünglich aus Mexiko und das mexikanische Essen, das meine Mutter zubereitet  ist einfach phänomenal.
    Mir fehlt zudem der lockere, alltägliche Umgangston, wie wir ihn in den USA pflegen. Da fragt man einfach mal so „How are you“. In Deutschland macht man das nur, wenn man jemanden bereits kennt. Insgesamt ist hier der Umgang miteinander sehr viel formeller.

    Wenn Sie den Begriff Heimat hören, woran denken Sie?
    Meine Familie und die Behaglichkeit, die man eben nur in einer vertrauten Umgebung empfinden kann. Ich bin in den USA geboren, aber ich bin auch stark von der mexikanischen Kultur geprägt, denn ein Teil meiner Familie wohnt noch in Mexiko. In Texas sind über 30 Prozent der Einwohner Mexikaner. Sie werden Tex-Mex genannt, da sie die texanische und die mexikanische Kultur in sich vereinen. So ein Tex-Mex bin ich auch. Heimat bedeutet für mich Texas und Mexiko.

     

  10. Wann und wo sind Sie geboren?
    Geboren bin ich am 30. September 1985 in der Stadt Kruševac, Serbien.
     
    Welche Staatsangehörigkeit haben Sie?
    Ich habe die serbische Staatsangehörigkeit
     
    Seit wann leben Sie in Hannover?
    Seit Juni 2010.

    Warum sind Sie nach Hannover gekommen?
    Nachdem ich in Serbien mein Wirtschaftsstudium abgeschlossen hatte, wollte ich ein Praktikum im Ausland machen. Deutschland war dabei meine erste Wahl. Hannover kannte ich nicht, hier habe ich aber ein sechsmonatiges Praktikum gefunden. Diese Zeit war für mich eine großartige und auch lebensverändernde Erfahrung: Ich habe zum ersten Mal im Ausland gelebt und zum ersten Mal in einem internationalen Unternehmen gearbeitet. Nachdem mein Praktikum zu Ende war, wollte ich nicht zurück nach Serbien. Ich habe in Hannover nach einem Job gesucht und arbeite jetzt bei dem Unternehmen, wo ich zuvor auch mein Praktikum gemacht habe.

    Was ist für Sie typisch hannoveranisch?
    Wenn ich an Hannover denke, denke ich an die Herrenhäuser Gärten, die Eilenriede, den Maschsee und das Maschseefest.
     
    Und was empfinden Sie als typisch deutsch?
    Meckern ist für mich eine typisch deutsche Eigenschaft. Deutsche mögen es sich über alle möglichen Kleinigkeiten aufzuregen. Typisch für die deutsche Küche sind Bratwurst, Bier und Kartoffeln.

    Haben Sie einen Lieblingsort in Hannover?
    Mein Lieblingsort in Hannover ist der Maschpark. Ich gehe dort oft spazieren und höre Musik.

    Was vermissen Sie aus Ihrem Geburtsland?
    Ich vermisse meine Freunde und meine Familie und ich vermisse es mit ihnen bestimmte Erlebnisse und Momente zu teilen. Was mir sehr fehlt – vor allem wenn ich ein wenig nostalgisch werde – ist die Möglichkeit, traditionelle serbische Musik auf serbische Art zu genießen. Im Gegensatz zu den Deutschen, sind die Serben beim Musikhören sehr viel emotionaler. Als ich vor einigen Wochen auf einer Hochzeit in Serbien war, war ein Hochzeitsgast von einem Lied so ergriffen, dass er sein Glass an seinem Kopf zerbrach. Der Mann war nicht betrunken, er war einfach so stark von dem Lied berührt, dass er seinen Gefühlen Ausdruck verleihen musste. Das war zwar ein Extremfall, aber es ist durchaus üblich bei guter Musik auf den Tischen zu tanzen und seinen Emotionen freien Lauf zu lassen. Hören Sie sich mal ein Lied von Goran Bregović an und probieren Sie aus, was es mit Ihnen macht.

    Wenn Sie den Begriff Heimat hören, woran denken Sie?
    Heimat für mich ist ein warmer Platz. Ein Ort, den ich kenne und an dem ich mich geborgen fühle. Vertrautheit und Geborgenheit sind Gefühle, die für mich meine Heimat definieren. Eng damit verknüpft ist meine Familie, denn bei ihr fühle ich mich geborgen. 

     

  11. Wann und wo sind Sie geboren?
    Am 25. April 1983 in der afghanischen Hauptstadt Kabul.
     
    Welche Staatsangehörigkeit haben Sie?
    Die afghanische und seit 2003 auch die deutsche Staatsangehörigkeit.

    Seit wann leben Sie in Hannover?
    Seit 1996.

    Warum sind Sie damals nach Hannover gekommen?
    In Afghanistan herrschte seit 1989 Bürgerkrieg. Ende 1994 beschlossen meine Eltern mit uns fünf Geschwistern vor dem Krieg nach Deutschland zu flüchten. Im Februar 1995 sind wir in Deutschland angekommen. Wir haben zunächst eineinhalb Jahre in Braunschweig gewohnt und sind 1996 nach Hannover gezogen, wo meine Familie bis heute lebt.
     
    Was ist für Sie typisch hannoveranisch?
    Typisch für Hannover ist ein respektvoller Umgang miteinander. Das spiegelt sich vor allem in Alltagssituationen wider: Wenn mir beispielsweise in der Straßenbahn jemand auf den Fuß tritt, dann entschuldigt sich diese Person in der Regel dafür. In Nordrhein-Westfalen hingegen wird man angemotzt, dass man seine Füße eben nicht in den Weg stellen solle. Hand in Hand mit dem respektvollen Umgang geht allerdings auch eine gewisse Kühle, die den Hannoveranern und den Norddeutschen allgemein ja nachgesagt wird.

    Und was empfinden Sie als typisch deutsch?
    Pünktlichkeit, Disziplin und Genauigkeit sind für mich typisch deutsche Eigenschaften.

    Haben Sie einen Lieblingsort in Hannover?
    Ich mag den Maschsee.

    Was vermissen Sie aus Ihrem Geburtsland?
    Ich vermisse meine Großmutter und alle meine engeren Verwandten, die nach wie vor in Kabul leben. Darüber hinaus ist es schwierig zu sagen, was genau ich vermisse - denn mittlerweile ist Deutschland mir näher als Afghanistan. Ich war 2005 das erste Mal nach unserer Flucht wieder in Kabul. Dort hat sich so viel verändert, dass ich mich eher wie eine Fremde gefühlt habe. Während meines Besuchs habe ich gemerkt, wie wichtig die alltägliche Freiheit und Sicherheit sind, die man in Deutschland oft für selbstverständlich hält. Ich konnte in Kabul zum Beispiel nicht alleine einkaufen, ohne dabei belästigt zu werden.
    In Deutschland hingegen vermisse ich es, wie in Afghanistan die muslimischen Feiertage zelebriert werden. Dort ist die gesamte Stimmung viel festlicher, die Arbeit ruht und die ganze Familie trifft sich. In Deutschland ist das so nicht möglich, denn muslimische Feiertage sind hierzulande ganz normale Arbeitstage. Feiertagsgefühl kommt da nicht auf.

    Wenn Sie den Begriff Heimat hören, woran denken Sie?
    Meine Heimat ist für mich dort, wo ich mich wohl fühle. Damit ich mich wohl fühlen kann, muss ich die Freiheit und die Sicherheit haben mein Leben individuell gestalten zu können. Früher habe ich Heimat mit einem bestimmten Ort assoziiert. Ich habe lange Zeit daran gedacht, nach Afghanistan zurückzukehren oder zumindest in ein muslimisches Land zu ziehen. Mittlerweile denke ich nicht mehr so. Vor allem mein Besuch in Afghanistan 2005 hat mir gezeigt, dass Heimat nicht zwangsläufig der Ort sein muss, an dem man geboren ist und wo die Eltern herkommen. Damit ein Ort zur Heimat wird, sind Freiheit und Sicherheit ebenso wichtig, wie die familiäre Verwurzelung und gute Freunde.

     

  12. Wann und wo sind Sie geboren?
    Am 18. Juni 1988 in der Stadt Penza, in Russland.

    Welche Staatsangehörigkeit haben Sie?
    Die russische Staatsangehörigkeit.

    Seit wann leben Sie in Hannover?
    Seit dem Frühjahr 2011.

    Warum sind Sie damals nach Hannover gekommen?
    Ich habe in Russland bereits ein Studium zur Sozialarbeiterin abgeschlossen. Nach dem Studium wollte ich weg aus meiner Heimatstadt Penza, da ich dort keine Entwicklungsmöglichkeiten für mich gesehen habe. Ich wollte eigentlich nach Moskau oder Sankt Petersburg ziehen, dann habe ich jedoch im November 2010 eine Stelle als Au Pair in Stuttgart bekommen. Nachdem ich vier Monate in Stuttgart gearbeitet habe, bin ich im März 2011 zu einer anderen Gastfamilie nach Hannover gewechselt. Die Stadt selber hat bei meiner Entscheidung keine Rolle gespielt, ich kannte Hannover nicht bevor ich hierher gezogen bin. Ich habe noch einige Monate als Au Pair gearbeitet und im Oktober 2011 an der Universität Hannover das Studium der Sonderpädagogik begonnen.
     
    Was ist für Sie typisch hannoveranisch?
    Obwohl in Hannover immer was los ist, empfinde ich die Stadt als relativ eintönig. Die Feste laufen hier immer gleich ab. Typisch für Hannover ist eine gewisse Charakterlosigkeit.

    Und was empfinden Sie als typisch deutsch?
    Freundlichkeit. Die Deutschen lächeln viel und sind höflich.
    Wenn man in Deutschland in einen Laden kommt, wird man sofort freundlich begrüßt. In Russland ist das ganz anders. Typisch deutsch ist für mich auch Brot. Ich liebe Vollkornbrot.

    Haben Sie einen Lieblingsort in Hannover?
    Der Georgengarten und Linden.

    Was vermissen Sie aus Ihrem Geburtsland?
    Eigentlich vermisse ich nichts. Als Studentin habe ich in Deutschland, bzw. Hannover mehr Rechte. Es gibt ein Semesterticket und es gibt fast überall Studentenrabatte. Die gibt es zwar auch in Russland, sind aber bei weitem nicht so verbreitet wie in Deutschland.

    Wenn Sie den Begriff Heimat hören, woran denken Sie?
    An meine Familie, an meine Freunde und an die russischen Städte in denen ich war und Freunde habe.  

     

  13. Wann und wo sind Sie geboren?
    Am 19. Juli 1986 in einer kleinen Stadt in Zentralrumänien, die auf Deutsch Reps und auf Rumänisch Rupea heißt.

    Welche Staatsangehörigkeit haben Sie?
    Als Angehörige der Siebenbürger Sachsen – einer deutschsprachigen Minderheit in Rumänien – hatte ich von Geburt an die deutsche und die rumänische Staatsangehörigkeit. Mittlerweile habe ich nur noch die deutsche. Die rumänische brauchte ich schlichtweg nicht und habe sie abgegeben.

    Seit wann leben Sie in Hannover?
    Seit 2008.

    Warum sind Sie damals nach Hannover gekommen?
    Ich habe eine Schule gesucht, um dort mein Abitur nachzuholen. Die Schule in Hannover war mir durch meine Ausbildung bekannt. Ich habe mich deshalb für einen Umzug nach Hannover entschieden, das Abitur nachgemacht und studiere jetzt an der Leibniz Universität Hannover.
    Bevor ich nach Hannover gezogen bin, habe ich in der Lüneburger Heide gewohnt. Meine Familie ist 1990 aus Rumänien dorthin gezogen. Rumänien war zu diesem Zeitpunkt ein Land im Chaos und die Auswirkungen der Revolution von 1989 waren deutlich zu spüren. Lebensmittel waren rationiert, Korruption war an der Tagesordnung – insgesamt waren die Lebensumstände nicht gut. Als Angehörige der deutschsprachigen Minderheit war es für meine Familie relativ einfach nach Deutschland auszuwandern und so den Verhältnissen in Rumänien zu entkommen.

    Was ist für Sie typisch hannoveranisch?
    Außer Lüttje Lage? Typisch für Hannover ist das Image als Stadt ohne Reiz. Interessanterweise haben auch viele Hannoveraner einen Hannover-Komplex und machen die Stadt schlecht. Das kann ich nicht nachvollziehen, denn ich finde Hannover ist durchaus eine nette Stadt zum Leben.

    Und was empfinden Sie als typisch deutsch?
    Bürokratie. Ich habe eine Ausbildung in der Verwaltung gemacht und habe so den deutschen Hang zur Bürokratie quasi hautnah miterlebt.
    Charakteristisch für dieses Land ist auch die
    aktive Art der Vergangenheitsbewältigung. Ich finde es bewundernswert, wie nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs die Zeit des Nationalsozialismus aufgearbeitet wurde.  
     
    Haben Sie einen Lieblingsort in Hannover?

    Die Limmerstraße und das Ihme-Ufer.

    Was vermissen Sie aus Ihrem Geburtsland?
    Als Kind habe ich in Deutschland eine Süßspeise vermisst, die es in Rumänien zwar selten gab, jedoch unglaublich lecker war. Meine Mutter erklärte mir damals, dass es die auch in Deutschland gibt: Eis. Allerdings ist das rumänische Eis in meiner Erinnerung bis heute unerreicht.

    Wenn Sie den Begriff Heimat hören, woran denken Sie?
    Ich denke an das Bauernhaus meiner Großmutter in Rumänien. Da habe ich mich immer zuhause gefühlt und das Haus ist für mich bis heute mit dem Begriff „Heimat“ eng verbunden. Aber auch Hannover wird immer mehr zu meiner Heimat.

     

  14. Wann und wo sind Sie geboren?
    Am 27. April 1978, in der peruanischen Hauptstadt Lima.

    Welche Staatsangehörigkeit haben Sie?

    Ich habe die peruanische Staatsangehörigkeit.

    Seit wann leben Sie in Hannover?
    Ich lebe seit vier Jahren in Hannover.

    Warum sind Sie nach Hannover gekommen?
    Der Liebe wegen. Meine Frau hat in Berlin studiert und deshalb bin auch ich 2007 nach Deutschland gezogen. Zuerst haben wir in Berlin gewohnt, wo ich übrigens das erste Mal in meinem Leben echten Schnee gesehen habe. Meine Frau hat dann einen guten Job in Hannover bekommen, so dass wir von Berlin nach Hannover gezogen sind.

    Was ist für Sie typisch hannoveranisch?
    Das Maschseefest und die Feuerwerkswettbewerbe in den Herrenhäuser Gärten.

    Und was empfinden Sie als typisch deutsch?
    Keine Ahnung. Da habe ich noch nicht drüber nachgedacht. In Peru sagt man, dass die Deutschen korrekt sind. Aber wie alle Stereotypen gilt auch das nicht für alle Deutschen.

    Haben Sie einen Lieblingsort in Hannover?
    Ich mag den Maschsee.

    Was vermissen Sie aus Ihrem Geburtsland?
    Meine Familie und Freunde. Aber auch das Meer, Surfen und die Sonne.

    Wenn Sie den Begriff Heimat hören, woran denken Sie?
    Ich denke auf jeden Fall an Peru, denn dort lebt meine Familie. Ich denke aber, dass Heimat nicht unbedingt ein Land meint, sondern durch den Ort definiert ist, an dem die Menschen wohnen, die einem wichtig sind.

     

  15. Wann und wo sind Sie geboren?
    Ich bin am 28. August 1988 in der Stadt Espinal in Kolumbien geboren. Espinal liegt etwa 150 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Bogotá.

    Welche Staatsangehörigkeit haben Sie?
    Ich habe die kolumbianische Staatsangehörigkeit.

    Seit wann leben Sie in Hannover?
    Seit Mai 2011.

    Warum sind Sie damals nach Hannover gekommen?
    Das ist eine gute Geschichte. Eigentlich wollte ich nach England. Über Deutschland wusste ich nicht viel, über Hannover gar nichts. Mein älterer Bruder aber hatte ein Praktikum in Dresden gemacht und war begeistert von Deutschland. Er hat zu mir gesagt: Da musst du auch hin! Sein Enthusiasmus hat mich überzeugt und ich habe im Goethe Institut Deutschkurse belegt. Dort hat mir mein Deutschlehrer gesagt, dass die Menschen in Hannover Hochdeutsch sprechen und dass das Hochdeutsch für Ausländer einfacher zu verstehen ist, als beispielsweise das bayrisch eingefärbte Deutsch. Deshalb habe ich eine Stelle als Au Pair bei einer Familie in Hannover gesucht. Der Grund warum ich nach Hannover gekommen bin war also die Sprache. Mittlerweile gefällt es mir hier aber so gut, dass ich ab dem nächsten Jahr an der Universität Hannover studieren möchte.

    Was ist für Sie typisch hannoveranisch?
    Für die Hannoveraner, die ich kenne, ist die Familie sehr wichtig. Außerdem stehen die Menschen zu ihrem Wort
    , sind verantwortungsbewusst und meist sehr pünktlich.

    Und was empfinden Sie als typisch deutsch?
    Typisch für Deutschland, bzw. die deutsche Küche ist das fette Essen. Für mich ist das witzig, weil die fette Küche auch für Kolumbien typisch ist. Sehr deutsch ist natürlich auch Bier. Deutsche können scheinbar jeden Tag Bier trinken – ich nicht.

    Haben Sie einen Lieblingsort in Hannover?
    Sehr gerne mag ich den Maschpark hinter dem neuen Rathaus. Der ist immer schön, Sommers wie Winters.

    Was vermissen Sie aus Ihrem Geburtsland?
    Außer meiner Mutter? Die Musik aus meiner Heimat fehlt mir. Natürlich kann ich auch in Hannover kolumbianische Musik hören. Allerdings nicht an öffentlichen Plätzen, in Cafes oder Bars. Wenn man in Kolumbien in ein Cafe geht, wird dort kolumbianische Musik gespielt. Außerdem vermisse ich die Art und Weise, wie man in Kolumbien abends ausgeht: Wir gehen meist in der Gruppe in eine Disco und dort tanzt man immer zu zweit. Hier in Hannover tanzen die Leute immer alleine.

    Wenn Sie den Begriff Heimat hören, woran denken Sie?
    An die wilde kolumbianische Natur